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Weihnachten und Neujahr auf Kreta

Weihnachten und Neujahr auf Kreta

Weihnachten und Neujahr auf Kreta

Weihnachtszeit und Weihnachtsfest in unserem Dorf auf Kreta ist für mich immer etwas ganz besonderes.

Anders als in Berlin, sind die Ankündigungen der Feierlichkeiten eher dezent. Die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen in Landkreis Chania, in der Stadt und in den Dörfern hängt das ganze Jahr – nur in der Weihnachtszeit leuchtet sie. Vor der Markhalle in Chania wird eine große Krippe aufgebaut und rechts ein kleiner Weihnachtsbazar mit Karusell für die Kinder. Geschäfte dekorieren ihre Auslagen weihnachtlich und im Hafen wird so manches Fischerboot mit einer Lichterkette geschmückt. Das Maß an Beleuchtung, Dekorationsaufwand, Musik und Werbung erinnert mich in seiner Sparsamkeit eher an meine Kindheit vor 45 Jahren.

 

Die Agora an Weihnachten

 

Der 24. Dezember im griechisch-orthodoxen Glauben ist das Ende der 40tägigen vorweihnachtlichen Fastenzeit, in der auf Fleisch und Milch verzichtet wird.

Es gibt keine Adventszeit und am Heiligabend auch keine Bescherung.
Am Heiligabend gehen sehr viele Familien in die Kirche, manche besuchen die Christmette in ihrer Taufkirche, manche Familien fahren dafür sehr weit. In unserer Gegend ist der Besuch in der Felsenkirche von Spilià, Gemeinde Kolimpari sehr bekannt, die auf einem Hügel hinter dem Dorf liegt. Die Felsenhöhle ist sehr groß und bietet sicherlich für mehr als hundert Menschen in der Kirche Platz. Die meisten Besucher jedoch stehen auf dem Vorplatz oder besuchen die heilige Höhle des Eremiten.
Für die Christmette gibt es einen Busshuttle durch die engen Straßen vom eilig eingerichteten Parkplatz an der unteren Durchgangsstraße, geregelt durch die örtliche Polizei, denn es strömen viele Menschen den ganzen Abend zu dieser Kirche. Im Bus ist es eng und es wird viel gelacht. Oben an der Kirche angekommen, wird am Anfang „Artos“, ein Hefebrot verteilt und dann die Kirche besucht. Mehrere Priester singen Liturgien, die Luft duftet nach Weihrauch, die Weihnachtskrippe wird durch Kinder und lebende Tiere symbolisiert. Es ist eine sehr feierliche Atmosphäre, Familien kommen und gehen, manche verweilen nur kurz, andere singen und beten eine Weile mit.
Um Mitternacht ist alles vorbei und die letzten Besucher gehen nach Hause.

 

Weihnachten Kreta

Der 25. Dezember ist der Tag des Weihnachtsfestes, an dem sich alle besuchen. Es  gibt  es ein üppiges Festmahl und viel süßes Gebäck, selbst gebacken oder aus Konditoreien in bunten Schachteln verpackt.

In manchen Dörfern hoch in die Berge von Omalos ist der Aberglaube noch wach:
Um die Kobolde abzuschrecken werden ab dem 24. Dezember 12 Nächte lang Weihnachtsfeuer abgebrannt. Sonst kommen die boshaften „Kalikanzari“ durch den Kamin, löschen das Feuer, machen die Milch sauer, vermanschen alles Essen, zerdrücken den Kuchen oder … alles was schief geht, wird in dieser Zeit ihnen in die Schuhe geschoben. Die Kalikanzari sind von Mitternacht bis zum Morgengrauen, bis zum Schrei des ersten Hahns aktiv. Um den Kindern beizubringen, dass sie artig sein sollen, erzählen die Eltern ihren Kindern, dass sie sonst zur Strafe die Kalikanzari wegschleppen.

 

 

 

Ist das Weihnachtsfest vorbei, folgt der Jahreswechsel.
Die Familie trifft sich am Abend des 31. Dezembers zu einem Festessen, bei dem auch der traditionelle "Vassilopita" (Neujahrskuchen) serviert wird. Im Vassilopita wird ein Geldstück eingebacken und der Kuchen wird auf alle Anwesenden verteilt. Wer den  „Fluri“ findet, soll im kommenden Jahr besonders viel Glück haben.

Und vor jedem Haus liegt eine wilde Zwiebel, die dann vor die Küchentür gelegt wird - Fruchtbarkeit für das neue Jahr wird damit gewünscht.

Neujahrszwiebel

Zu Neujahr wird der heilige Vassilios gefeiert und verehrt, er ist das Gegenbild des uns bekannten Nikolaus. Nun können auch die Kinder aufatmen - endlich gibt es die heißerwarteten Geschenke.

Am 1. Januar ziehen dann die Kinder von Haus zu Haus mit Glöckchen und Triangeln und singen „Kalanta“, gute Wünsche fürs neue Jahr. Dafür bekommen sie Süßigkeiten, Obst  und Klingelgeld.

Kalanta-Singen

Mit dem 6. Januar schließt sich der Kreis der Feiertage um Weihnachten in der griechisch-Orthodoxen Kirche. Es ist der Tag der Taufe Christi und Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit „Epiphanias“. Am Vorabend werden Häuser, Brunnen und Felder mit heiligem Wasser gesegnet. Am Feiertag selbst gibt es Prozessionen ans Meer und ein Priester heiligt das Wasser, indem er ein Kreuz ins Meer wirft.    
Jugendliche tauchen im eisigen Wasser danach, um es zurück zu holen und sich so Glück und Segen für das beginnende Jahr zu sichern.

 

Weihnachten vor der Agora

 

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