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Ein Tag im Olivenhain 1980

Ein Tag im Olivenhain 1980

Olivenernte  Olivenernte_2 Olivenernte Olivenernte

 

Die Olivenernte vor 37 Jahren war anders als heute.

Der Blick soweit zurück soll nicht verklärt sein, sondern die Geschichte der Olivenernte als Familien-Highlight der Jahres erzählen.
Die Insel im Nordwesten war noch nicht (fast) ausschließlich mit Olivenbäumen bepflanzt und die Olivenhaine hatten auf Meereshöhe oft als Mischkultur Orangenbäume dazwischen für die Schädlingsabwehr. So war es weitaus beschwerlicher alle Utensilien für die Olivenernte im Olivenhain weiter zu transportieren, da die Orangenernte zu einer anderen Zeit und mit anderen Hilfsmitteln durchgeführt wurde.

Die meisten Olivenbauern holten sich zur Erntezeit HilfsarbeiterInnen für die Lese. An den Wochenenden kamen dann die Kinder aus der Stadt zum Mithelfen
und der schwere Erntetag endete mit einer bäuerlichen Festtafel, liebevoll zubereitet von den jungen Frauen der Familie, die mit ihren kleinen Kindern nicht mit aufs Feld gekommen sind.

Einen Winter war ich für 6 Wochen bei einem alten Ehepaar mit Kost und Logis in einem Dorf im Hinterland von Platanias/Chania als Erntehelferin angestellt.
Ich möchte einen Erntetag unter der Woche schildern. Denn gerade diese Zeit ist mir in Verbindung mit Olivenöl und Ernte der Früchte sehr nachhaltig in Erinnerung.

Bei der Olivenernte von Hand war und ist besonders zu beachten:

•    Olivenäste können nur auf eine bestimmte Art und Weise beklopft werden, denn verletzt man die neuen Astknospen, gibt es an der Stelle keine Oliven im nächsten Jahr, deshalb werden die kleinen Bäume bis zum 7. Jahr von Hand abgekämmt.
•    Hat es geregnet, kann nicht gelesen werden, das schadet der nächsten Ernte

So dauert – je nach Wetterlage – die Ernte kurz oder lang. Es gibt Jahre mit tollem Wetter bis Weihnachten sind die meisten Oliven gelesen.
Falls es viele Regentage gibt, dauert die Ernte schon auch mal bis Mitte-Ende Januar. Es ist häufig ein richtiger Konkurrenzkampf wer zuerst anfängt und wer auch schnell fertig ist. Jeder Bauer weiß wie viele Tage er zur Ernte braucht.

 

Das alte Ehepaar Polio und Marika, schon recht betagt, hatten einen großen alten Baumbestand von Tsounati-Olivenbäumen. Diese Bäume sind sehr hoch, recht knorrig, die Ästchen brechen leicht ab und die Oliven selbst sind sehr ölhaltig.
So ist für einen guten Ernteertrag Sorgsamkeit gefragt. Das lohnt sich jedoch, denn Olivenöl aus dieser Sorte ist sehr, sehr, sehr lecker.

 

Der Tag begann für Marika schon vor Sonnenaufgang an der Kochstelle außerhalb des Hauses. Dort hat sie für den Erntetag Eintopf, Fleisch oder Gemüse gekocht und Polio hat die Tiere versorgt.
Sobald es hell wurde, hat sich mich geweckt mit heißer Ziegenmilch und einem weichen Weißbrot zum Stippen. Richtig frühstücken war nicht üblich, „Vrastari“ der Bergtee mit Paximadi – was ich nicht mochte – war das „normale“ Frühstück. Der Esel wurde von Polio versorgt und beladen und dann ging es gemeinsam zum Olivenhain der an dem betreffenden Tag dran war. Zur Vorbereitung wurden die Tücher zum Auffangen der Oliven unter den Bäumen ausgebreitet, Säge und Stöcke bereitgelegt, der Esel am Baum angebunden zum Grasen und los gings. Die Arbeit im Hain war klar aufgeteilt: der Mann schnitt die Äste ab zum Auslichten der Bäume und holte mit 3-4 m langen Bambusstangen die Oliven von den Ästen der Baumkrone und breitete die Tücher für die nächsten Bäume aus. Die Frauen haben die Oliven mit Bambusstangen abgeklopft, die stehend erreichbar waren, die abgeschnittenen Äste auf den Tüchern von Oliven befreit, Blätter und Ästchen aus die Olivenbergen auf den Tüchern herausgesammelt und 70 kg Säcke befüllt. Wenn dann die Tücher leer waren, ging es weiter zum nächsten Baum.

 

Marika war eine recht kleine Frau, war äußerst betriebsam und hatte „die Hosen an“. Polio hätte oft gerne langsamer und weniger gearbeitet, doch sie rief immer, wenn er langsamer wurde mit lauter, schriller Stimme „Polio, den me akui“ – „Polio, da reich ich nicht ran“ – so kam er schnell und unterstützte sie. Sie war klug: er konnte sich als Kavalier fühlen und sie hatte das Arbeitstempo, das sie wollte. Wenn sie manchmal zu drängend wurde, hat er hinter ihrem Rücken die Schultern nochgezogen und einen Augenaufschlag Richtung Himmel geschickt.

Zu den schönsten Erinnerungen gehört die Mittagspause. Marika hat dann ein Tischtuch im „Xina“ ausgebreitet, dem saftigen Kleegras, das im Winter unter den Bäumen wächst* und das Essen auf der Decke ausgebreitet. Ein typisches Essen war: weißer Bohneneintopf mit (morgens) gebratenen gerauchten Würstchen, schwarze Oliven (Alatsolies) oder grüne Oliven (Lenonelies), rohe Zwiebelschnitze, Weißbrot und 1 Gläschen Hauswein. Nach dem Essen – wenn die Sonne schien – hat sich Polio an einen Baumstamm gelehnt und mit einer selbstgeschnitzten Pfeife eine Melodie gespielt. Marika jedoch hatte selten Ruhe, hat schnell alles zusammengeräumt und uns mobilisiert die 2. Tageshälfte mit gleichem „Dinami“ anzugehen. Gegen 16 Uhr wurde dann alles für zuhause zusammengepackt, der Esel beladen und der Heimweg angetreten. Damals war man richtig stolz, wenn pro Erntehelfer 2-3 Säcke à 70 kg geschafft hatte.
Alle 2-3 Tage hat der Esel dann mit Polio die Säcke aus den Olivenhainen zur Ölpresse gebracht. Die Olivensäcke standen manchmal Tage im Hain – wenn es nicht regnete - auf „extra nativ“ hat damals noch niemand geachtet, sondern nur auf das geschmackliche Ergebnis nach der Pressung. Dazu wurde knuspriges Weißbrot unter den Ölstrom aus der Presse gehalten und der frische bittere Saft gekostet.

Die Olivenpressen der alten Art waren runde Zylinder die wie ein Sandwich mit Metallmatten-Oliven-Metallmatten-Oliven befüllt wurden, dann hat die Zentrifuge durch senkrechten Druck den Olivensaft in eine Rinne gepresst. Dieser frische Saft ist gallenbitter – manche mögen es, ich nicht. Doch schon bei der Kostprobe kann man die Qualität feststellen. Je nach Philosophie und Erfahrung des Bauern ruhte dann das Öl 6-9 Wochen, damit die Schwebstoffe sinken konnte, vor dem ersten richtigen Geschmackstest.

Dies ist bis heute in allen Olivenpressanlagen so, die auf der Pressstrecke keine Filteranlage dazwischen haben. Bis heute entscheidet die Philosophie der Bauern für die Qualität des Olivenöls – auch mit modernen Anlagen.

Das war ein Ausflug in die Olivenernte 1980.
Ich war in den Jahren wieder oben in dem Dorf, die beiden alten Herrschaften leben nicht mehr und die Tsounati-Olivenbaum-Felder sind der Koroneiki-Olive gewichen, wahrscheinlich weil sie einfacher zu kultivieren ist.

Einiges ist anders geworden, doch die Olivenölqualität hat es sich nicht verschlechtert, im Gegenteil.


*Wenn ich von grünen kleeähnlichen Feldern unter Olivenbäumen erzähle, dann erzähle ich aus der Zeit vor Glyphosat – Round up – und so ist es heutzutage sehr gut zu sehen, welcher Olivenbauer Glyphosat einsetzt – dann ist zwischen den Bäumen kein saftiges Grün, sondern braune Erde.

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